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Name
Patrick Möller

Alter
36

Wohnort
mülheim

Statement
Es geht uns Alle an!! Deswegen mache ich auch mit dieser HP auf dieses Thema aufmerksam. Zumal es im Suchtbereich auch viele Infizierte Menschen gibt.

www.welt-aids-tag.de



Drogen
und Suchtbericht
Mai 2015



Schlafmittel


Schlafmittel

Schlafmittel sind Stoffe, die den Schlafvorgang fördern oder einleiten. Dabei gibt es fließende Grenzen zu den Beruhigungsmitteln einerseits und zu den Betäubungsmitteln andererseits. Neben den pflanzlichen und chemischen Schlafmitteln gibt es weitere Stoffe, die den Schlaf fördern. So können neben dem Konsum von Alkohol auch Antidepressiva oder Schmerzmittel schlaffördernd wirken. Hierbei ist zu beachten, dass es sich um eine Art Missbrauch handelt.

Es gibt mehrere Gründe und Formen des Missbrauchs von Schlafmitteln. Über einen längeren Zeitraum eingenommene Schlafmittel führen oftmals zur Abhängigkeit oder werden bewusst als Droge eingesetzt. Es gibt auch Fälle, in denen körperliche Überlastungssymptome (Schlaflosigkeit et cetera) durch Schlafmittel behandelt werden. Dies ist jedoch wenig sinnvoll, da nur die Symptome bekämpft werden, die eigentliche Ursache aber keine Beachtung findet. Eine kriminellen Art des Missbrauchs von Schlafmitteln sind die sogenannten K.-o.-Tropfen.




Welche Schlafmittel gibt es?

Als Schlafmittel können verschiedene Substanzen eingesetzt werden, angefangen von "harmlosen" pflanzlichen Mitteln bis hin zu den sehr starken, heute üblicherweise nicht mehr verwendeten Barbituraten. Die am häufigsten verschriebene Substanzgruppe sind die Benzodiazepine, gefolgt von Antidepressiva und Neuroleptika.

  • Die Wahl eines Schlafmittels hängt von verschiedenen Faktoren ab:

Ursache der Schlafstörungen (so wird man z.B. bei Schlafstörungen, die durch eine Depression verursacht werden, zunächst Antidepressiva verwenden)

  • Symptomatik (Ein- und/oder Durchschlafstörungen)

  • Alter des Patienten

  • Dauer und bisherige medikamentöse Therapie der Schlafstörung

  • Andere Faktoren, bei denen bestimmte Medikamente nicht verschrieben werden dürfen (u.a. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- und Nierenerkrankungen, Augenerkrankungen wie "Grüner Star", Suchterkrankungen in der Vorgeschichte des Patienten).

Übersicht: Schlafmittel

  1. Benzodiazepine

  2. Neuere Nichtbenzodiazepine

  3. Antidepressiva

  4. Neuroleptika

  5. Antihistaminika

  6. Chloralhydrat (Chloraldurat)

  7. Clomethiazol (Distraneurin)

  8. Pflanzliche Präparate

  9. Sonstige Substanzen (Serotonin, L-Tryptophan, Melatonin)

  10. Barbiturate und andere veraltete Substanzen


1. Benzodiazepine:

Benzodiazepine (heute insbesondere die unten aufgeführten "Neue Nichtbenzodiazepine") gelten als Schlafmittel der ersten Wahl. Sie wurden als letzte der großen Psychopharmakagruppen (Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium) entdeckt und werden seit 1960 gegen verschiedene Störungen eingesetzt. Zu ihrer weiten Verbreitung hat vor allem beigetragen, dass das Verhältnis von Nutzen und Nebenwirkung bei diesen Mitteln im Vergleich zu anderen schlafanstoßenden Substanzen äußerst günstig ausfällt. Sie sind zudem das am besten und am häufigsten untersuchte Psychopharmakon.

Benzodiazepine bewirken im Gehirn, dass vorhandene Hemm-Mechanismen in ihrer Wirkung verstärkt werden. Bildlich gesprochen: Stellen Sie sich unser Gehirn wie eine Maschine vor: Im Wachzustand läuft diese Maschine sehr schnell. Um in den Schlaf zu gelangen, aber auch in anderen Situationen, wenn diese schnelle Aktivität hinderlich wird (z.B. wenn man sich in einen Erregungszustand wie Angst hineinsteigert),braucht man also eine Bremse. Die wichtigste bremsende Substanz im Gehirn ist die sog. Gamma-Amino-Buttersäure (GABA). Benzodiazepine verstärken die Wirkung von GABA.

Dabei entfalten sie mehrere Wirkungen:

  • sedierend/hypnotisch (beruhigend, dämpfend bzw. müde-machend)

  • muskelrelaxierend (die Muskeln entspannend)

  • anxiolytisch (Angst lösend)

  • sie sind "antikonvulsiv", d.h. krampf-lösend bzw. -verhindernd

  • antiaggressiv

Es gibt sehr verschiedene Benzodiazepine hinsichtlich Wirkdauer und Wirkprofil. Benzodiazepine, in deren Wirkprofil die angst-lösende Komponente stark ausgeprägt ist, werden üblicherweise als "Tranquilizer" bezeichnet und vor allem bei Angststörungen eingesetzt. Sie wirken ebenso wie die Hypnotika, bei denen die müde-machende Wirkung im Vordergrund steht, "schlafbahnend". D.h. sie erleichtern das Ein- und Durchschlafen, erzwingen jedoch im Gegensatz zu Barbituraten nicht den Schlaf.

Die Wirkdauer der Benzodiazepine hängt u.a. davon ab, wie schnell die Substanz im Körper wieder abgebaut wird (dieser Substanzabbau wird über die sog. Eliminationshalbwertzeit bzw. auch "Plasmahalbwertzeit" erfasst, d.h. die Zeitdauer, in der die Stoffkonzentration im Körper auf die Hälfte des anfänglichen Wertes abfällt: diese Halbwertzeiten liegen je nach Medikament zwischen wenigen Stunden und mehr als 24 Stunden) Entsprechend unterscheidet man folgende drei Gruppen, mit denen unterschiedliche Vor- und Nachteile verbunden sind:

2. Neue Nichtbenzodiazepine:

Zu diesen seit den 90er Jahren im Handel befindlichen Substanzen zählen

  • Zolpidem (Handelsname u.a.: Bikalm, Stilnox)

  • Zopiclon (Handelsname u.a.: Ximovan)

  • Zaleplon (Handelsname: Sonata)

Sie gehören von ihrer chemischen Struktur her nicht zu den Benzodiazepinen, haben aber im Nervensystem den gleichen Wirkungsort.

Wirkung:

Ihr Wirkprofil ist dem der Benzodiazepine ähnlich (beruhigend-dämpfend bzw. müde-machend, die Muskeln entspannend, Angst lösend, krampf-lösend, antiaggressiv), wobei der Haupteffekt auf der schlafanstoßenden Komponente liegt und inbesondere die angst-lösende Komponente geringer ausfällt.

Zolpidem hat im Gegensatz zu Benzodiazepinen eine weniger starke muskelentspannende und krampflösende Wirkung. Trotzdem besteht auch bei dieser Substanz bei älteren Patienten eine erhöhte nächtliche Sturzgefahr (siehe Vor- und Nachteile).

Alle Mittel dieser Gruppe sind kurzwirksam. Die Plasmahalbwertzeit beträgt bei Zolpidem (Bikalm, Stilnox) ca. 2,5 Stunden, bei Zolpiclon (Ximovan) ca. 5-6 Stunden.

Als Vorteil dieser Mittel gilt, dass die Gewöhnungseffekte und die Gefahr einer Abhängigkeit wesentlich geringer ausgeprägt sein sollen als bei Benzodiazepinen. Sie gelten daher derzeit als das ideale Mittel zur Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen.

 

3. Antidepressiva:

So mancher Patient ist darüber irritiert, dass sein Arzt ihm ein Mittel verschreibt, das eigentlich in erster Linie zur Behandlung von Depressionen eingesetzt wird, nämlich ein sog. Antidepressivum.

Die Verschreibung von Antidepressiva bei Schlafstörungen kann jedoch auch dann sinnvoll sein, wenn der Patient nicht unter schweren Depressionen leidet, weil einige dieser Medikamente auch eine schlafanstoßende Wirkung besitzen. Antidepressiva wirken in unterschiedlichem Maße:

  • depressionslösend, stimmungsaufhellend

  • beruhigend-dämpfend oder aktivierend

  • antriebssteigernd oder antriebsdämpfend

Wichtig bei Depressionen: der stimmungsaufhellende Effekt tritt im Gegensatz zu den anderen Wirkungen erst nach 2-3 Wochen auf.

Zur Behandlung von Schlafstörungen greift man natürlich auf solche Antidepressiva zurück, die eine eher beruhigend-dämpfende Wirkung haben (Wirkstoff: Amitriptylin, Doxepin, Trimipramin, Mianserin). Die geläufigsten Handelsnamen lauten u.a.: Stangyl, Saroten, Aponal, Sinquan, Laroxyl, Equilibrin.

Steht die Behandlung der Schlafstörung im Vordergrund, kann die Behandlung mit einer niedrigeren Dosierung begonnen werden als bei einer vorliegenden depressiven Störung (10-25 mg, ca. 30 Minuten vor dem Zubettgehen). Die optimale Dosis für eine schlafanstoßende Wirkung schwankt jedoch von Mensch zu Mensch.

Spezielle Vorteile

/Nutzen der Antidepressiva-Therapie bei Schlafstörungen:

  • Antidepressiva haben ein wesentlich geringeres Abhängigkeitspotential als Benzodiazepine. Sie werden daher bevorzugt bei einer länger andauernden Behandlung eingesetzt, sowie bei Patienten, die in ihrer Vorgeschichte oder gegenwärtig eine Suchterkrankung oder Medikamentenabhängigkeit aufweisen.
  • Sie sind das Mittel der Wahl bei Schlafstörungen, die durch eine Depression hervorgerufen werden als auch bei solchen Schlafstörungen, bei denen es als Folge der Schlafstörung im Laufe der Zeit zu einer ausgeprägten ängstlich-depressiven Begleitsymptomatik gekommen ist.
  • Sie wirken nicht muskelrelaxierend (geringere Sturzgefahr in der Nacht; geringere Beeinträchtigung der Atmung in der Nacht; sieh Vor- und Nachteile).
  • Antidepressiva können vorübergehend als Zusatzmedikation zu einem Benzodiazepin gegeben werden, um das Ausschleichen des Benzodiazepines zu erleichtern
  • Absetzerscheinungen sind bei niedriger Dosierung selten. Aber auch Antidepressiva sollten "ausgeschlichen" werden

Nachteile:

  • Die schlafanstoßende Wirkung ist geringer als die von Benzodiazepinen.

  • Antidepressive haben deutlich mehr Nebenwirkungen als Benzodiazepine (u.a. Mundtrockenheit, Sehstörungen, Verstopfung, Blutdrucksenkung, Herzklopfen und Herzrhythmusstörungen, Verwirrtheitszustände, Gewichtszunahme, Libido- und Potenzverlust, Leberfunktionsstörungen). Die Empfindlichkeit für diese Nebenwirkungen ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausgeprägt.

  • Antidepressiva sind langwirksame Mittel, d.h. sie wirken auch noch am Tage fort. Dieser stimmungsaufhellende, beruhigend-dämpfende Überhangeffekt kann je nach Patient und Symptomatik erwünscht oder lästig sein.

  • Auch bei Antidepressiva kann es wahrscheinlich zu einer Gewöhnung bzw. Toleranzentwicklung kommen, d.h. das Mittel verliert nach einigen Wochen nach und nach seine schlafanstoßende Wirkung.

  • Die Langzeitwirkung über mehrere Monate ist ebenso wie bei Benzodiazepinen nicht ausreichend nachgewiesen.

  • Antidepressiva unterdrücken bzw. vermindern den Traumschlaf (REM-Schlaf) mit Ausnahme von Trimipramin ("Stangyl").

  • Antidepressiva können nicht selten "Periodische Bewegungen im Schlaf" verursachen oder - wenn schon vorhanden - verstärken und dadurch selber Schlafstörungen hervorrufen!

  • Eine Überdosis kann tödlich wirken.

 

4. Neuroleptika

Neuroleptika sind Medikamente, die man in erster Linie zur Behandlung von schweren psychischen Störungen, den sog. Psychosen, verwendet. Sie wirken "antipsychotisch" ohne das Bewusstsein und die intellektuellen Fähigkeiten wesentlich zu beeinflussen. Die antipsychotische Wirkung bedeutet für den unter einer Psychose leidenden Patienten, dass sich Erregungszustände, gefühlsmäßige Spannungen, Angst, Trugwahrnehmungen und wahnhafte Gedanken verringern. Sie ermöglichen auch eine Distanzierung von der Psychose, d.h. der Patient kann seinen Zustand selber als krankhaft erkennen. In der Langzeitbehandlung von psychotischen Patienten beugen die Neuroleptika außerdem einer Wiedererkrankung vor. Neben dieser antipsychotischen bzw. im eigentlichen Sinne "neuroleptischen" Wirkung besitzen Neuroleptika, unterschiedlich stark ausgeprägt, auch eine sedierend-beruhigende und dämpfende Wirkung. Es sind diese dämpfend-beruhigenden Wirkungen, die man sich bei der Behandlung von Schlafstörungen zunutze macht.

Neuroleptika werden nach ihrer antipsychotischen Wirkung unterschieden in

  • schwach/niedrig-potente Neuroleptika

  • mittelstarke Neuroleptika

  • starke Neuroleptika

  • sehr starke Neuroleptika.

Dabei gilt für die "klassischen" Neuroleptika: Je stärker die antipsychotische Wirkung, desto schwächer die dämpfend-beruhigende Wirkung und desto häufiger Nebenwirkungen im Bereich der Muskulatur (sog. "extra-pyramidal-motorische Nebenwirkungen", s.u.)

Entsprechend werden zur Behandlung von Schlafstörungen in erster Linie schwache oder sog. niedrig-potente Neuroleptika herangezogen (Wirkstoffe u.a.: Promazin, Levomepromazin, Chlorprothixen, Thioridazin, Promethazin, Pipamperon, Melperon; Handelsnamen u.a.: Protactyl, Neurocil, Truxal, Melleril, Atosil, Dipiperon, Eunerpan).

Vorteile der Neuroleptika

  • Sie sind das Mittel der Wahl bei Schlafstörungen, die durch eine Psychose/Schizophrenie hervorgerufen werden.

  • Neuroleptika haben im Vergleich zu Benzodiazepinen ein wesentlich geringeres Abhängigkeitsrisiko. Gewöhnungseffekte (Abnahme der Wirkung, Dosissteigerung) kommen zumeist nicht vor.

  • Die Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem sind geringer als bei Antidepressiva.

  • Sie können als Schlafmittel eingesetzt werden bei Patienten, die keine Benzodiazepine und/oder Antidepressiva nehmen dürfen (z.B. wegen einem Abhängigkeitsrisiko).

  • Sie werden häufiger bei älteren Patienten verschrieben, bei denen Spätfolgen (s.u. Nachteile) aufgrund der Lebenserwartung unwahrscheinlich sind.

  • Sie sind weniger giftig als Antidepressiva.

  • Keine Verminderung des Traum- (REM-) Schlafes.

Nachteile:

  • Ein wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit in der Behandlung von Schlafstörungen, die nicht eine Folge von psychotischen Grunderkrankungen sind, steht noch aus.

  • Neuroleptika haben, ähnlich wie Antidepressiva, wesentlich mehr Nebenwirkungen als Benzodiazepine (u.a. Mundtrockenheit, Schwitzen, Sehstörungen, Zittern, Kreislaufbeschwerden, Herzrhythmusstörungen, Blutbildveränderungen, Depression, in hoher Dosierung Störungen der Gesichtsmuskulatur, Gewichtszunahme usw.).

  • Spätfolgen: Als Folge langjähriger Neuroleptikaeinnahme kann es zu sog. Spätdyskinesien kommen, d.h. oft nicht mehr rückgängig machbaren Störungen der Muskulatur im Bereich des Mundes, des Gesichts, der Hände und Füße. Dies gilt vorrangig für die "klassischen Neuroleptika", während modernere sog. atypische Neuroleptika diesbezüglich i.D.R. ein wesentlich geringeres Risiko aufweisen.

  • Aufgrund der langen Wirkdauer kommt es zu Überhangeffekten am nächsten Tag.

  • Die Wirkung als Schlafmittel bei nicht-psychotischen Patienten, insbesondere die Langzeitwirkung ist bisher unzureichend überprüft.

 

5. Antihistaminika:

Diese Medikamentengruppe wird normalerweise zur Behandlung von Allergien eingesetzt. Einige dieser Substanzen haben auch eine schlaf-anstoßende, "müde-machende" Wirkung (Wirkstoff: Diphenhydramin, Doxylamin). Im Handel sind diese Präparate u.a. unter folgenden Namen erhältlich:

  • Dolestan

  • Dormigoa

  • Dormutil

  • Doxylamin von ct

  • Gittalun

  • Halbmond-Tabletten

  • Hevert-Dorm

  • Hoggar N

  • Nervo OPT

  • Sedaplus

sowie als Kombinationspräparat (Kombination mit einem anderen Wirkstoff) als:

  • Betadorm-A

  • Dolestan forte

  • Moradorm

  • Valeriana comp.-Hevert

  • Valeriana forte-Hevert

Diese Medikamente sind bislang ohne Rezept erhältlich. Ihre schlafanstoßende Wirkung ist deutlich geringer als die von Benzodiazepinen. Ihre Wirkung tritt langsamer ein (1-3 Stunden). Die Wirkdauer ist mittellang, so dass es zu Überhangeffekten am Tage kommen kann (Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens z.B. beim Autofahren!). Bei längerem Gebrauch kommt es nach klinischen Beobachtungen zu Wirkungsverlust bzw. Gewöhnungseffekten. Tw. scheint ein Abhängigkeitspotential zu bestehen. Nebenwirkungen sind u.a.: Mundtrockenheit, Verstopfung, Beschwerden bei der Blasenentleerung, Sehstörungen, Benommenheit am Tage.

Gerade bei älteren Patienten ist Vorsicht geboten, da diese Mittel zur Entwicklung eines sog. Delirs (schwerer Verwirrtheitszustand) beitragen können.

Insgesamt ist diese Substanzgruppe in Bezug auf die Behandlung von Schlafstörungen wenig untersucht. Von diesen Medikamenten dürften wenn dann vor allem Patienten mit leichten, nicht chronifizierten Schlafstörungen profitieren. Auf der anderen Seite ist bei solchen Schlafstörungen die Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie fragwürdig.

 

6. Chloralhydrat ( Handelsname: Chloraldurat)

Chloralhydrat ist eines der ältesten Schlafmittel, das heutzutage manchmal bei älteren Patienten noch eingesetzt wird. Seine Nebenwirkungen sind beträchtlich. Chloralhydrat besitzt eine leicht sedierende Wirkung, die innerhalb von 30 Minuten einsetzt und ca. 6 Stunden lang anhält. Die Langzeitwirkung über eine Woche hinaus ist unzureichend nachgewiesen.

Nebenwirkungen:

  • Hohe Giftigkeit (5-10 gr wirken tödlich, als therapeutische Dosis werden 0,5 bis1,5 gr eingesetzt). Darf deswegen nicht bei Magen-Darm-, Leber-, Herz- und Nierenerkrankungen verschrieben werden.

  • Abhängigkeitspotential, Absetzerscheinungen nach längerem Gebrauch

  • Reizung der Magenschleimhaut, Übelkeit, Mundgeruch, allergische Reaktionen, Verwirrtheitszustände

 

7. Clomethiazol (Distraneurin)

Dieser Wirkstoff wird normalerweise nicht in der ambulanten Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt, sondern nur im Rahmen eines stationären Aufenthaltes. Distraneurin wird vor allem zur Behandlung deliranter Zustände verwendet (z.B. Alkoholdelir), manchmal auch bei hartnäckigen Schlafstörungen älterer Patienten in der Psychiatrie mit Verwirrtheits-, Erregungs- und Unruhezuständen in der Nacht.

Das Medikament hat eine ausgeprägte schlafanstoßende Wirkung, macht aber auch schnell abhängig und beeinträchtigt die Atmung im Schlaf. Es sollte nur stationär und nicht länger als eine Woche bei Schlafstörungen verwendet werden.

8. Pflanzliche Präparate

Zu den pflanzlichen Präparaten zählen folgende Substanzen:

  • Baldrian (Valeriana officinalis)

  • Hopfen (Humulus lupulus)

  • Passionsblume (Passiflora)

  • Mellisse (Mellissa officialis)

  • Kawain (Extractum Kava)

Der Vorteil dieser frei verkäuflichen Mittel besteht vor allem darin, dass sie weitgehend frei sind von bedeutsamen Nebenwirkungen. In wissenschaftlichen Studien konnte eine subjektiv schlafverbessernde und stimmungsaufhellende Wirkung nachgewiesen werden. Erste objektive Studien zeigen auch eine Verbesserung der Schlafstruktur.

Insgesamt ist aber die schlafanstoßende Wirkung dieser Mittel deutlich geringer als die der bisher angesprochenen Substanzklassen. Sie eignen sich daher vor allem zur unterstützenden Behandlung leichter, nicht chronischer Schlafstörungen.

Sie können auch als Zusatzmedikation das Ausschleichen anderer Schlafmittel unterstützen.

 

9. Andere Substanzen

9.1. L-Tryptophan

Aus L-Tryptophan wird im Organismus der Botenstoff Serotonin gebildet, der sowohl im Rahmen der Schlaf-Wach-Regulation, als auch bei Depressionen eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Der schlafanstoßende Effekt dieses Mittels ist gering. Eine Verbesserung des Schlafes zeigt sich erst nach mehrwöchiger Einnahme. Das Medikament wurde 1989 wegen Verunreinigungen bei der Herstellung vom Markt genommen, ist jetzt aber seit einiger Zeit wieder erhältlich.

Als alternativer medikamentöser Therapieversuch dürfte es vor allem bei Patienten in Frage kommen, die keines der oben genannten Schlafmittel wg. deren Nebenwirkungen vertragen. L-Tryptophan kommt in einer ganzen Reihe von Nahrungsmitteln vor. Die Einschlafhilfe "Heiße Milch mit Honig" geht wahrscheinlich auf einen Tryptophan-Effekt zurück, da Milch diesen Stoff enthält. Wichtig für die Wirksamkeit ist in diesem Fall das im Honig enthaltene Zuckermolekül, das als Transportmittel dient, um das L-Tryptophan ins Gehirn zu bringen.

9.2. Melatonin

Melatonin ist ebenfalls chemisch verwandt mit Serotonin und wird im Körper aus dem natürlich vorkommenden L-Tryptophan gebildet. Melatonin wird selber auch vom Körper in der Zirbeldrüse (Epiphyse) produziert. Es ist als Botenstoff wesentlich an der Steuerung der Tag-Nacht-Rhythmen beteiligt. Es war bis in die 90er Jahre als Nahrungsergänzungsmittel frei erhältlich, wurde dann aber wegen des bislang fehlenden Unbedenklichkeitsnachweises vom Markt genommen bzw. war nur im Ausland/per Internet erhältlich. Seit kurzem (Anfang 2008) ist jetzt das Präparat "Circadin" der Firma Lundbeck rezeptpflichtig zugelassen zur Behandlung primärer Insomnie bei Patienten ab 55 Jahren. Das Medikament enthält 2mg retardiertes (= verzögerte Freisetzung, daher längere Wirkdauer) Melatonin. Fachinformationen sind u.a. hier erhältlich:

www.medknowlede.de

Pdf - der europäischen Zulassungsbehörde EMEA

Eine schlafanstoßende Wirkung von Melatonin ist nachgewiesen. Eine Verbesserung bei chronischen Schlafstörungen wird kontrovers diskutiert. Wirksamkeit entfaltet Melatonin vor allem bei Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen und bei Schlafstörungen infolge eines Jet-lags.

Über Nebenwirkungen insbesondere bei einer längerfristigen Einnahme ist bislang wenig bekannt.


 

10. Barbiturate und andere "veraltete" Substanzen:

Diese Medikamentengruppe wird hier nur aus historischen Gründen angeführt. Vor Entdeckung der sog. Benzodiazepine wurden Barbiturate sehr häufig zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt. Im Gegensatz zu den heutigen Schlafmitteln wirkten die Barbiturate schlaf-erzwingend, d.h. bei ausreichender Dosierung schläft jeder ein, ob er will oder nicht, und ist auch nur sehr schwer weckbar. D.h. diese Mittel wirken nicht nur hypnotisch (Schlaf-anstoßend) sondern "narkotisch". Das mag so manchem Schlafgestörten in verzweifelten Nächten verlockungsvoll klingen. Die Nebenwirkungen dieser Substanzgruppe sind jedoch so massiv, dass sich eine Therapie von Schlafstörungen mit ihnen verbietet bzw. als "obsolet" (veraltet) und nicht empfehlenswert gilt. Zu diesen Nebenwirkungen zählen u.a.:

  • hohe "Toxizität", d.h. hohe Giftigkeit - Barbiturate waren früher das Selbstmordmittel Nr.1

  • hohe Gewöhnungsgefahr: Häufig schon nach wenigen Tagen, lässt die Barbituratwirkung nach: Der Schlaf ist wieder gestört.

  • hohe Suchtgefahr: schon nach einer Kurzzeiteinnahme kann es zu erheblichen Entzugserscheinungen kommen.

Barbiturate sind u.a. unter folgenden Namen auch heute noch (allerdings zur Behandlung von Epilepsie) auf dem Arzneimittelmarkt: Lepinal, Luminal, Luminaletten, Phenaemal, Phenaemaletten
Andere veraltete Substanzgruppen: Ähnlich wie die Barbiturate werden auch andere -früher verwendete Substanzen - wie z.B. Bromsalze - heute nicht mehr zur Therapie von Schlafstörungen eingesetzt. Ein trauriges Ende nahm am Ende der Barbiturat-Ära der neuartige Wirkstoff "Thalidomid" (Handelsname "Contergan"). Dieser Wirkstoff weckte deswegen so große Hoffnungen, weil er im Gegensatz zu den Barbituraten so gut wie keine Vergiftungserscheinungen hervorrufen konnte. Wegen dieser geringen Nebenwirkungen wurde das Mittel auch in großem Umfang schwangeren Müttern verschrieben, bevor 1961 - zu spät - bekannt wurde, dass Contergan zu Missbildungen führte. Als Folge wurden etwa 10.000 Kinder behindert geboren. Außerdem stellte man fest, dass Contergan bei längerer regelmäßiger Einnahme zu teilweise irreparablen Schäden der Nerven führen kann.

 


 
 

Notrufnummern für Deutschland:
Feuerwehr und Rettungsdienst: 112
Bundesweite Sucht- und Drogenhotline: 01805-313031
Polizei: 110
Vergiftungszentralen: Deutschland: 030/19240
Österreich: 01/406 43 43
Schweiz: 145

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